ERKLÄRUNGEN

Umsiedlung: Zwischen 1969 und 1999 wurden ca. 7 Millionen Menschen von der stark bevölkerten Hauptinsel Java auf die schwach besiedelten Außeninseln Indonesiens umgesiedelt. Die Regierung nannte diese Umsiedlung Transmigrasi. Die Umsiedlung hatte zwei Ziele: die gleichmäßige Verteilung der Bevölkerung auf alle Inseln, und die Vermischung der 450 Bevölkerungsgruppen Indonesiens. Die Bevölkerung der Außeninseln wurde von den Eliten in Java als primitiv und zurückgeblieben gesehen. Durch die Ansiedlung von Javanesen sollte den Einheimischen die angeblich kultiviertere Lebensweise der Hauptinseln aufgezwungen werden. Dieses Programm stieß natürlich auf Widerstand.

Yusuf



Mein Name ist Yusuf ich bin 27 Jahre alt und arbeite als Tagelöhner auf einer Großplantage auf der Insel Ambon.
Tagein tagaus arbeite ich unter härtesten Bedingungen und bringe kaum genug Geld nach Hause, um meine Familie zu ernähren. Ich bin muslimischer Javanese. Ich war sieben, als meine Eltern sich dazu entschieden, ihre Sachen zusammen zu packen, ihre Verwandten und Freunde zurück zu lassen und auf einem kargen Stück Land, das ihnen hier zugewiesen wurde, ein neues Leben zu beginnen. Wie sie, entschieden sich viele andere muslimische Familien aus Java an diesem Umsiedlungsprogramm der Regierung teil zu nehmen. Die Hoffnung nach einem besseren Leben hat sich für meine Eltern nie erfüllt. Sie haben den Verlust ihrer Heimat nie verwunden. Ich aber erinnere mich kaum noch an meinen Geburtsort. Ich fühle mich hier zu Hause und bin glücklich mit einer christlichen Amboneserin verheiratet.
Das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen in unserer Gegend funktionierte bisher sehr gut. Es gab zwar immer schon vereinzelt Personen, die über die Muslime schimpfen und fordern, dass wir dahin zurückkehren sollen, wo wir hergekommen sind. Dass war aber immer die Minderheit. Ich habe dem nie viel Bedeutung beigemessen.
Seit dem Beginn der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen in Ambon werden diese Stimmen jedoch immer lauter.
Ich mache mir große Sorgen. Die Mehrheit der Molukker wollen friedlich miteinander leben. Was passiert aber, wenn die gewalttätigen Gruppen auf christlicher und muslimischer Seite die Gewalt immer weiter schüren? Wo soll ich denn mit meiner Familie hin? Das ist doch hier das einzige zu Hause, das wir haben.

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Informationen zu Indonesien



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Die Republik Indonesien bildet das größte Archipel der Welt und umfasst über 17,000 Inseln, wovon etwa 6000 bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Java befindet sich der Regierungssitz.

Bevölkerung und Religionszugehörigkeit in Indonesien:
Molukken (gesamt und Südmolukken) absolute Zahlen 1995;
Indonesien gesamt 2002
Indonesien
gesamt
Molukken Stadt Ambon Südmolukken
Muslime 87% 59% 42% 22%
Christen 12% 40% 57% 77%
Andere 1% 1% 1% 1%
gesamt 217 Mio. 2.088.516 311.974 307.231


Ein Staat - viele Kulturen und Religionen

Der Bevölkerung Indonesiens gehört 450 unterschiedlichen Ethnien an und spricht um die 300 verschiedene Sprachen. Die größte Volksgruppe bilden die Maleien mit ca. 40% Javaner, 15% Sundanesen, 5% Maduresen; andere Gruppen sind z.B. die Bataker, Balinesen, Menadonesen, Dayak und Ambonesen(Molukken). Es gibt auch Chinesen, Araber, Inder, Pakistaner, Europäer und Amerikaner. Die Mehrheit der Indonesier sind Muslime (87%), die zweitgrößte Glaubensgruppe sind die Christen (12%). 1% der Bevölkerung sind Hindus und Buddhisten.


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1945 1949 1950 - 1955 1966 1969 - 1994 1997 1998 1999 1999 - 2002 2002
Unabhängigkeits-
erklärung Indonesiens nach fast 350 Jahren niederländischer Kolonial-
herrschaft.
Die Niederlande erkennt Unabhängigkeit Indonesiens an. Der neue Staat wird durch die javenesischen Indonesier regiert. Die christlichen Molukken erklären ihre Unabhängigkeit gegenüber Indonesien. Sie werden aber im folgenden Unabhängigkeits-
krieg durch die Armee Indonesiens besiegt.
General Suharto wird durch Machtergreifung Präsident Indonesiens. Beginn einer Gewaltherrschaft, in der die Bevölkerung überwacht, verschleppt und auch getötet wird.
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Durch ein staatliches Umsiedlungs-
programm (Transmigrasi) werden etwa 7 Millionen Menschen von den stark bevölkerten Inseln Java, Bali und Madura zu weniger bevölkerten Inseln, wie z.B. Sumatra, Kalimantan und den Molukken umgesiedelt.
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Asiatische Wirtschaftskrise. Die Währung Indonesiens, die Rupie, fällt stark im Wert. Es kommt zu Protesten auf der Straße, die auch in Gewalt gegen die chinesische Minderheit umschlagen. Machtverlust in der Regierung und Proteste und Aufstände der Bevölkerung führen zum Rücktritt des Präsidenten Suharto: Das Ende einer 32jährigen Gewaltherrschaft. Erste freie Wahlen in Indonesien nach 32 Jahren. Gewalttätigkeiten zwischen Muslimen und Christen auf den Molukken. In den Auseinander-
setzungen sterben 6-13.000 Menschen. Ca. 700.000 Menschen fliehen vor der Gewalt.
Abkommen von Malino zur Beendigung aller Gewaltätigkeiten auf den Molukken.