ERKLÄRUNGEN

Ethnische Ungleichheit

In den meisten Gesellschaften gibt es Arme und Reiche, und Gebildete und Ungebildete. Diese Aufteilung in oben und unten nennt man ein Klassensystem, in dem Menschen verschiedener Klassen (Arbeiterklasse, Mittelklasse, Oberklasse) zusammenleben. In vielen Gesellschaften sind aber nur einige ethnischen oder kulturellen Gruppen reich und gebildet, und andere ethnischen Gruppen zumeist arm und ungebildet. Wenn eine Regierung eine ethnische Gruppe absichtlich bevorzugt, dann ist dies nicht demokratisch.
Unter der Regierung Suhartos wurden Javanesen in allen gesellschaftlichen Bereichen bevorzugt.

Yoel



Ich heiße Yoel und bin ein 47-jähriger christlicher Molukker aus Ambon.
Schon seit 18 Jahren arbeite ich als einfacher Angestellter in der Stadtverwaltung der Stadt Ambon. Zusammen mit einer Gruppe von 12 christlichen Kollegen bin ich für die Buchhaltung zuständig. Tagein tagaus jonglieren wir mit Zahlen, ein langweiliger Job, aber er bringt meiner Familie das Essen auf den Tisch. In meinem Büro sind wir wie eine kleine Familie. Wir arbeiten seit Jahren miteinander und kennen die Sorgen und Wünsche, die ein jeder von uns mit sich herumträgt. Natürlich gibt es immer auch wieder Streit, z.B. wenn einer seine Arbeit nicht ordentlich macht und die anderen das ausbaden müssen. Bisher konnten wir aber alle Konflikte untereinander regeln.
Besonders wichtig ist unser Zusammenhalt, um uns gegen die kleinen Unverschämtheiten unserer Chefs zu wehren. Das sind fast ausschließlich Muslime, da es für Christen fast unmöglich ist in der regionalen Verwaltung eine höhere Stelle zu bekommen und Karriere zu machen. Die Arbeit in der Stadtverwaltung von Ambon wird von vielen Muslimen, auch aus anderen Regionen Indonesiens, als Sprungbrett für ihre Karriere in höheren Ämtern in der Regierung gesehen. Deshalb bleibt auch kaum einer länger als nötig. Die meisten von ihnen schauen auf uns christliche Molukker herab. Sie verabscheuen die Provinz und denken, sie seien was besseres als wir.
Das ist auch ein Grund, warum es kaum freundschaftliche Kontakte zwischen den Angestellten der unterschiedlichen Ebenen in der Stadtverwaltung gibt. Über ein höfliches Geplänkel bei den regelmäßigen Betriebsfeiern geht das nicht hinaus. Natürlich wird unsere Zusammenarbeit in der Verwaltung von der Gewalt zwischen Christen und Muslimen in Ambon und auf den Molukken nicht beeinflusst. Wir sind ja alles vernünftige Menschen und wissen, dass sich Probleme durch Gewalt nicht lösen lassen.
Ich kann aber schon den Frust und die Wut der christlichen Jugend verstehen, die keine Lust mehr haben wie Bürger 2.Klasse behandelt zu werden, obwohl sie doch die zahlenmäßige Mehrheit auf Amon darstellen.

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Informationen zu Indonesien



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Die Republik Indonesien bildet das größte Archipel der Welt und umfasst über 17,000 Inseln, wovon etwa 6000 bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Java befindet sich der Regierungssitz.

Bevölkerung und Religionszugehörigkeit in Indonesien:
Molukken (gesamt und Südmolukken) absolute Zahlen 1995;
Indonesien gesamt 2002
Indonesien
gesamt
Molukken Stadt Ambon Südmolukken
Muslime 87% 59% 42% 22%
Christen 12% 40% 57% 77%
Andere 1% 1% 1% 1%
gesamt 217 Mio. 2.088.516 311.974 307.231


Ein Staat - viele Kulturen und Religionen

Der Bevölkerung Indonesiens gehört 450 unterschiedlichen Ethnien an und spricht um die 300 verschiedene Sprachen. Die größte Volksgruppe bilden die Maleien mit ca. 40% Javaner, 15% Sundanesen, 5% Maduresen; andere Gruppen sind z.B. die Bataker, Balinesen, Menadonesen, Dayak und Ambonesen(Molukken). Es gibt auch Chinesen, Araber, Inder, Pakistaner, Europäer und Amerikaner. Die Mehrheit der Indonesier sind Muslime (87%), die zweitgrößte Glaubensgruppe sind die Christen (12%). 1% der Bevölkerung sind Hindus und Buddhisten.


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1945 1949 1950 - 1955 1966 1969 - 1994 1997 1998 1999 1999 - 2002 2002
Unabhängigkeits-
erklärung Indonesiens nach fast 350 Jahren niederländischer Kolonial-
herrschaft.
Die Niederlande erkennt Unabhängigkeit Indonesiens an. Der neue Staat wird durch die javenesischen Indonesier regiert. Die christlichen Molukken erklären ihre Unabhängigkeit gegenüber Indonesien. Sie werden aber im folgenden Unabhängigkeits-
krieg durch die Armee Indonesiens besiegt.
General Suharto wird durch Machtergreifung Präsident Indonesiens. Beginn einer Gewaltherrschaft, in der die Bevölkerung überwacht, verschleppt und auch getötet wird.
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Durch ein staatliches Umsiedlungs-
programm (Transmigrasi) werden etwa 7 Millionen Menschen von den stark bevölkerten Inseln Java, Bali und Madura zu weniger bevölkerten Inseln, wie z.B. Sumatra, Kalimantan und den Molukken umgesiedelt.
pop up
Asiatische Wirtschaftskrise. Die Währung Indonesiens, die Rupie, fällt stark im Wert. Es kommt zu Protesten auf der Straße, die auch in Gewalt gegen die chinesische Minderheit umschlagen. Machtverlust in der Regierung und Proteste und Aufstände der Bevölkerung führen zum Rücktritt des Präsidenten Suharto: Das Ende einer 32jährigen Gewaltherrschaft. Erste freie Wahlen in Indonesien nach 32 Jahren. Gewalttätigkeiten zwischen Muslimen und Christen auf den Molukken. In den Auseinander-
setzungen sterben 6-13.000 Menschen. Ca. 700.000 Menschen fliehen vor der Gewalt.
Abkommen von Malino zur Beendigung aller Gewaltätigkeiten auf den Molukken.