ERKLÄRUNGEN



Molukker auf der Flucht vor dem blutigem Bürgerkrieg in Indonesien. http://lexikon.meyers.de




brennendes Galala
(bei Ambon) www.websitesrcg.com

Rebekka



Mein Name ist Rebekka, ich bin 11 Jahre alt und lebe seit 5 Monaten mit meiner Mutter, meinem Vater und meiner jüngeren Schwester in einem Flüchtlingslager für Christen am Rand von Manado, einer Stadt im Norden von Sulawesi.
Geboren und aufgewachsen bin ich in einem kleinen Fischerdorf auf der Insel Ambon, einer kleinen Insel der Molukken, auf der vor allem Christen wohnen. Bis vor einem Jahr verlief mein Leben ziemlich unspektakulär. Ich ging zur Schule im Nachbardorf, half meiner Grossmutter im Haushalt, passte auf meine kleine Schwester auf und begleitete meinen Vater und meinen Bruder zum Fischen aufs Meer. Die politischen Ereignisse in der Welt oder in anderen Teilen Indonesiens hatten keinen Einfluss auf mein Leben. Im letzten Jahr änderte sich das.
Im Januar kam es in der Stadt Ambon zu den ersten gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen.
Meine Eltern waren voller Angst um meinen Onkel, der mit seiner Familie in Ambon lebte. Aber niemand in unserem Dorf rechnete damit, dass die Ausschreitungen auch uns persönlich erreichen könnten. Im Mai letzten Jahres hörten wir dann von einem Überfall auf ein Dorf etwa 50 km weiter westlich von unserem Dorf. Eine Horde bewaffneter Männer kam vom Meer her und tötete wahllos zwölf Frauen, Kinder und Alte. Sie drohten wieder zu kommen und alle Christen zu vertreiben, wenn diese nicht freiwillig verschwinden würden. In den folgenden Wochen kam es in den umliegenden Dörfern immer wieder zu solchen Überfällen. Wir waren voller Angst.
Eines Tages war es dann soweit. Im Morgengrauen nährten sich zwei Speedboote mit 10 Männern unserem Dorf. Mein Bruder versuchte sich hinter den Netzen zu verstecken. Er wurde sofort erschossen. Meiner Mutter, meiner kleinen Schwester und mir gelang es uns in den Holzkisten für die Netze zu verstecken. Von dort hörte ich die Schreie, als sie meine Grossmutter und meinen Grossvater erstachen.
Als mein Vater aus dem Nachbarort zurückkam, war alles vorbei. Siebzehn Bewohner unseres Dorfes waren ermordet worden. Die Toten wurden in aller Hast beerdigt, dann packten meine Eltern die nötigsten Dinge und verliessen mit uns das Dorf.
Nach wochenlanger Flucht gelangten wir schliesslich hierher. Meine kleine Schwester hat nicht ganz verstanden, was passiert ist. Sie fragt immer wieder nach unserem Bruder und unseren Grosseltern. Ich habe Panikattacken und wache nachts immer wieder schreiend auf. Ich habe grosse Angst, dass es auch hier zu Kämpfen zwischen Muslimen und Christen kommt. Im Süden der Insel gibt es ein Flüchtlingslager für muslimische Flüchtlinge, die vor christlicher Gewalt geflohen sind. Was ist, wenn die hierher kommen und sich an uns rächen wollen, nur weil wir Christen sind?

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Informationen zu Indonesien



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Die Republik Indonesien bildet das größte Archipel der Welt und umfasst über 17,000 Inseln, wovon etwa 6000 bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Java befindet sich der Regierungssitz.

Bevölkerung und Religionszugehörigkeit in Indonesien:
Molukken (gesamt und Südmolukken) absolute Zahlen 1995;
Indonesien gesamt 2002
Indonesien
gesamt
Molukken Stadt Ambon Südmolukken
Muslime 87% 59% 42% 22%
Christen 12% 40% 57% 77%
Andere 1% 1% 1% 1%
gesamt 217 Mio. 2.088.516 311.974 307.231


Ein Staat - viele Kulturen und Religionen

Der Bevölkerung Indonesiens gehört 450 unterschiedlichen Ethnien an und spricht um die 300 verschiedene Sprachen. Die größte Volksgruppe bilden die Maleien mit ca. 40% Javaner, 15% Sundanesen, 5% Maduresen; andere Gruppen sind z.B. die Bataker, Balinesen, Menadonesen, Dayak und Ambonesen(Molukken). Es gibt auch Chinesen, Araber, Inder, Pakistaner, Europäer und Amerikaner. Die Mehrheit der Indonesier sind Muslime (87%), die zweitgrößte Glaubensgruppe sind die Christen (12%). 1% der Bevölkerung sind Hindus und Buddhisten.


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1945 1949 1950 - 1955 1966 1969 - 1994 1997 1998 1999 1999 - 2002 2002
Unabhängigkeits-
erklärung Indonesiens nach fast 350 Jahren niederländischer Kolonial-
herrschaft.
Die Niederlande erkennt Unabhängigkeit Indonesiens an. Der neue Staat wird durch die javenesischen Indonesier regiert. Die christlichen Molukken erklären ihre Unabhängigkeit gegenüber Indonesien. Sie werden aber im folgenden Unabhängigkeits-
krieg durch die Armee Indonesiens besiegt.
General Suharto wird durch Machtergreifung Präsident Indonesiens. Beginn einer Gewaltherrschaft, in der die Bevölkerung überwacht, verschleppt und auch getötet wird.
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Durch ein staatliches Umsiedlungs-
programm (Transmigrasi) werden etwa 7 Millionen Menschen von den stark bevölkerten Inseln Java, Bali und Madura zu weniger bevölkerten Inseln, wie z.B. Sumatra, Kalimantan und den Molukken umgesiedelt.
pop up
Asiatische Wirtschaftskrise. Die Währung Indonesiens, die Rupie, fällt stark im Wert. Es kommt zu Protesten auf der Straße, die auch in Gewalt gegen die chinesische Minderheit umschlagen. Machtverlust in der Regierung und Proteste und Aufstände der Bevölkerung führen zum Rücktritt des Präsidenten Suharto: Das Ende einer 32jährigen Gewaltherrschaft. Erste freie Wahlen in Indonesien nach 32 Jahren. Gewalttätigkeiten zwischen Muslimen und Christen auf den Molukken. In den Auseinander-
setzungen sterben 6-13.000 Menschen. Ca. 700.000 Menschen fliehen vor der Gewalt.
Abkommen von Malino zur Beendigung aller Gewaltätigkeiten auf den Molukken.