ERKLÄRUNGEN

Diskriminierung der chinesischen Minderheit

Die Chinesen in Indonesien sind eine kleine Minderheit, etwa 6 von 200 Millionen Menschen. Die Chinesen kamen vor etwa 100 Jahren nach Indonesien. Sie durften in Indonesien früher nicht beim Militär, in Schulen oder in der Verwaltung arbeiten. Heute spielen "Auslandschinesen", wie sie genannt werden, in der Wirtschaft Indonesiens eine wichtige Rolle. Ihr wirtschaftlicher Erfolg wird ihnen oft geneidet, und ihre Loyalität zum Staat Indonesien wird angezweifelt. Die vielen Übergriffe gegen kleine chinesische Händler haben dazu geführt, dass viele ins benachbarte Ausland ziehen.

Wirtschaftskrise

Als Wirtschaftskrise bezeichnet man eine deutlich negative Entwicklung in der Wirtschaft eines Staates. Anstatt, dass mehr Gewinn gemacht wird in der Staatskasse, wird kein oder nur wenig Gewinn gemacht. Wirtschaftskrisen haben meist soziale Folgen wie Arbeitslosigkeit, die Verarmung vieler Menschen oder soziale Unruhen.

Lee



Mein Name ist Lee. Ich bin 52 Jahre alt und lebe auf Java in Jakarta.
Meine Familie kam vor mehr als 100 Jahren nach Indonesien. Seit jeher betreiben wir einen kleinen Lebensmittelladen im chinesischen Viertel von Jakarta.
Während der Wirtschaftskrise vor 2 Jahren litt die Bevölkerung von ganz Java großen Hunger. Die Preise für Lebensmittel stiegen ins Unermessliche und viele konnten sich ihren Reis nicht mehr leisten. Viele Kunden beschimpften mich und warfen mir vor, dass ich aus ihrer Not einen Vorteil ziehen wollte. Aber ich konnte ja nichts für die steigenden Preise. Ich hatte mich schon verschuldet, um meine Regale füllen zu können.
Jeden Tag gingen mehr Menschen auf die Straße und protestierten wütend gegen die Regierung. Nachdem die Preise wieder einmal erhoeht wurden, explodierte die Situation. Wie so oft entlud sich die ganze Wut gegen uns Chinesen. Ich hörte schon von weitem die Schreie und das Klirren von Glas. Es waren Schreie, wie: "ihr chinesischen Wucherer, ihr bereichert euch auf unsere Kosten, jetzt nehmen wir uns, was uns gehört",... Mein Sohn war so clever und schrieb schnell noch "Indonesier" auf unser Ladenschild. Der plündernde Mob zog an unserem Laden vorbei. Es wurden in unserer Straße nur chinesische Läden geplündert und angezündet. Die Läden der muslimischen Ladenbesitzer wurden alle verschont. Dabei haben wir alle die gleichen Preise.
Mein Sohn möchte das Land verlassen. Er sagt, er hat genug immer als Sündenbock für alle Probleme in Indonesien herhalten zu müssen. Ich zögere. Mit meinen Nachbarn komme ich gut aus, egal ob Chinese, Indonesier, Christ oder Muslim. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, um irgendwo anders nochmal ein neues Leben an zu fangen. Zur Sicherheit trage ich jetzt aber immer ein offenes Flugticket nach Singapur in der Innentasche meiner Jacke mit mir herum. Man kann ja nie wissen.

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Informationen zu Indonesien



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Die Republik Indonesien bildet das größte Archipel der Welt und umfasst über 17,000 Inseln, wovon etwa 6000 bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Java befindet sich der Regierungssitz.

Bevölkerung und Religionszugehörigkeit in Indonesien:
Molukken (gesamt und Südmolukken) absolute Zahlen 1995;
Indonesien gesamt 2002
Indonesien
gesamt
Molukken Stadt Ambon Südmolukken
Muslime 87% 59% 42% 22%
Christen 12% 40% 57% 77%
Andere 1% 1% 1% 1%
gesamt 217 Mio. 2.088.516 311.974 307.231


Ein Staat - viele Kulturen und Religionen

Der Bevölkerung Indonesiens gehört 450 unterschiedlichen Ethnien an und spricht um die 300 verschiedene Sprachen. Die größte Volksgruppe bilden die Maleien mit ca. 40% Javaner, 15% Sundanesen, 5% Maduresen; andere Gruppen sind z.B. die Bataker, Balinesen, Menadonesen, Dayak und Ambonesen(Molukken). Es gibt auch Chinesen, Araber, Inder, Pakistaner, Europäer und Amerikaner. Die Mehrheit der Indonesier sind Muslime (87%), die zweitgrößte Glaubensgruppe sind die Christen (12%). 1% der Bevölkerung sind Hindus und Buddhisten.


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1945 1949 1950 - 1955 1966 1969 - 1994 1997 1998 1999 1999 - 2002 2002
Unabhängigkeits-
erklärung Indonesiens nach fast 350 Jahren niederländischer Kolonial-
herrschaft.
Die Niederlande erkennt Unabhängigkeit Indonesiens an. Der neue Staat wird durch die javenesischen Indonesier regiert. Die christlichen Molukken erklären ihre Unabhängigkeit gegenüber Indonesien. Sie werden aber im folgenden Unabhängigkeits-
krieg durch die Armee Indonesiens besiegt.
General Suharto wird durch Machtergreifung Präsident Indonesiens. Beginn einer Gewaltherrschaft, in der die Bevölkerung überwacht, verschleppt und auch getötet wird.
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Durch ein staatliches Umsiedlungs-
programm (Transmigrasi) werden etwa 7 Millionen Menschen von den stark bevölkerten Inseln Java, Bali und Madura zu weniger bevölkerten Inseln, wie z.B. Sumatra, Kalimantan und den Molukken umgesiedelt.
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Asiatische Wirtschaftskrise. Die Währung Indonesiens, die Rupie, fällt stark im Wert. Es kommt zu Protesten auf der Straße, die auch in Gewalt gegen die chinesische Minderheit umschlagen. Machtverlust in der Regierung und Proteste und Aufstände der Bevölkerung führen zum Rücktritt des Präsidenten Suharto: Das Ende einer 32jährigen Gewaltherrschaft. Erste freie Wahlen in Indonesien nach 32 Jahren. Gewalttätigkeiten zwischen Muslimen und Christen auf den Molukken. In den Auseinander-
setzungen sterben 6-13.000 Menschen. Ca. 700.000 Menschen fliehen vor der Gewalt.
Abkommen von Malino zur Beendigung aller Gewaltätigkeiten auf den Molukken.